duvia UPDATE.

Zwischen all den Prozessen und Projekten, die wir mit duvia begleiten, den Workshops, die wir geben und den Gesprächen und Begegnungen mit Menschen aus dem Bildungssystem passiert unglaublich viel und doch bleibt vieles davon unsichtbar.

Nicht weil es nicht wichtig wäre, sondern weil genau für das Innehalten und Erzählen oft die Zeit fehlt, da wir meistens schon im nächsten Workshop stehen oder im nächsten Prozess weiterdenken. Gleichzeitig passiert genau dort aber das Entscheidende, wenn in einem Workshop jemand sagt „so habe ich das noch nie gesehen“ oder wenn ein gemeinsamer nächster Schritt entsteht.

Vielleicht kennst du dieses Gefühl auch, dass viel in Bewegung ist, sich Dinge verändern und trotzdem kaum etwas davon nach außen sichtbar wird. Wir merken an dieser Stelle, wenn wir uns nicht bewusst Zeit dafür nehmen, bleibt genau das unsichtbar, was wir bewirken.

Unser duvia UPDATE ist ein Versuch, das zu verändern und dich mitzunehmen in das, was uns bewegt, beschäftigt und antreibt, weil wir nicht wollen, dass unsere Arbeit unsichtbar bleibt.

duvia in Zahlen

Zahlen sagen nicht alles, aber sie geben einen Eindruck davon, wie viel in den letzten Wochen und Monaten in Bewegung war. Unsere Zahlen aus dem ersten Quartal 2026:

  • 79 aktive Teamer*innen
  • mehr als 450 begleitete Kinder und Jugendliche (davon über 180 wöchentlich)
  • 9 beteiligte Schulen: u.a. Kepler-Schule, Johanna-Eck-Schule, Wilhelm-von-Humboldt-Schule, Albrecht-von-Graefe-Schule, Robert Koch Gymnasium, Hemingway-Schule
  • 42 Veranstaltungen, wie Studientage, Workshops, Klausuren, Teamabende
  • Zusammenarbeit & Kooperationen u. a. mit der Schulaufsicht Friedrichshain-Kreuzberg, #JedesKind-Initiative, BLiQ, related e.V.

Blick hinter die Kulissen

In einem Workshop, wo es um das Überarbeiten des Ganztagskonzept einer Berliner Schule ging, saßen Lehrkräfte zusammen und reflektierten:

„Wir wollen Schüler*innen die ganze Vielfalt des Lebens ermöglichen.“ und „Wir wollen ihre Lebensrealität im Ganztag wirklich mitdenken.“

Immer wieder rückte ein Gedanke in den Vordergrund, Schule muss mehr sein als Unterricht. Ein Ort, an dem sich Schüler*innen gesehen fühlen und an dem sie entdecken können, was in ihnen steckt. Dieser Moment steht für vieles, was uns in den letzten Monaten begegnet ist.

Während wir mit Schulen z.B. daran arbeiten, ihr Ganztagskonzept neu zu denken, lief parallel die Qualifizierung unserer Teamer*innen im Projekt „Demokratiebildung an Schulen“. In dieser geht es dabei nicht nur um Methoden, sondern um Haltung und um die Frage, wie Räume entstehen, in denen Beteiligung wirklich möglich ist.

Was darüber hinaus noch in Bewegung war:

  • Moderation für den Westermann Verlag auf der didacta mit 2 Sessions zum Thema Demokratiebildung im Schulalltag
  • neue Förderung durch die Schöpflin Stiftung, die es uns ermöglicht hat, unsere Arbeit gezielt weiterzuentwickeln u. a. durch einen Teamabend mit related e.V. zum Thema Beziehungsarbeit mit Schüler*innen
  • Weiterentwicklung unserer Workshops zu Antidiskriminierung für die Klassen 1–4

Was all das verbindet: Der Versuch, Schule näher an die Lebensrealität von Kindern und Jugendlichen zu bringen und Räume zu schaffen, in denen sie sich gesehen fühlen und herausfinden können, was in ihnen steckt.

duvia in Bildern

Eine kleine Auswahl an Impressionen aus dem Projekten und Veranstaltungen im 1. Quartal 2026.

duvia in Bildern

Eine kleine Auswahl an Impressionen aus dem Projekten und Veranstaltungen im 1. Quartal 2026.

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Was uns bewegt hat

Ich bin Gitanjali Schmelcher, Gründungsmitglied von duvia und arbeite in der Kulturellen Bildung zur Zeit am FELD Theater für junges Publikum.

Das FELD Theater für junges Publikum in Berlin-Schöneberg ist ein Theater der freie Szene mit einem vielfältigen Programm von Musik-, Objekt- und Figurentheater über zeitgenössischen Tanz bis hin zu Performancekunst. Es richtet sich mit experimentellen und partizipativen Formaten an Publikum allen Alters und legt einen besonderen Fokus auf inklusive Produktionen für hörendes und Taubes* Publikum, etwa durch Deutsche Gebärdensprache und visuelle Erzählformen.

Mich bewegt, wie anders ich Kommunikation gerade denken muss – wie viel genauer ich hinsehen und anders zuhören darf. Am FELD Theater geht Verständigung weit über die deutsche Lautsprache hinaus. Das erfordert neue Aufmerksamkeit. Um mich mit meinen Kolleg*innen wirklich austauschen zu können, lerne ich die Deutsche Gebärdensprache. Gemeinsam reflektieren wir Räume neu aus der Sicht von hörenden und Tauben* Menschen und ich finde jede*r sollte die Chance bekommen, diese wertvolle Erfahrung zu machen.

3 Fragen an Engin Çatık

1) Gab es in letzter Zeit einen Moment in deinem Schulalltag, der dich besonders berührt oder nachdenklich gemacht hat?

Eine mündliche Präsentationsprüfung, in der Jugendliche mehr Differenzierungsvermögen gezeigt haben als viele Erwachsene außerhalb der Schule. Es ging um die Auswertung der Kriminalitätsstatistik. Die Jugendlichen haben erkannt, dass die Nationalität oder kulturelle Herkunft keine Antwort auf die Frage, warum ist jemand kriminell, liefert. Sie haben erkannt, dass man sich andere Merkmale, wie Geschlecht, Alter Armutsbelastung, Aufenthaltsstatus, Wohnsituation, Traumerfahrung anschauen muss, um die Zahlen der Statistik zu verstehen. Wir können viel von den Jugendlichen lernen, oder?

2) Was braucht es aus deiner Sicht konkret, damit Veränderungen an Schule wirklich gelingt?

Es braucht Menschen im System mit einem Growth Mindset, d.h., Pädagoginnen und Pädagogen, die aus Fehlern lernen, Rückmeldung als Chance betrachten, Veränderungen offen gegenüber stehen und Herausforderungen lösungsorientiert begegnen. Diese Merkmale mit einem positiven Menschenbild steckt auch die anderen Personen in der Schule an, so dass daraus ein lernendes System werden kann.

3) Wenn du auf die nächsten Jahre schaust: Was wünschst du dir für Schule und das Bildungssystem?

Wir sollten mehr wert darauf legen, Kinder und Jugendliche zu zufriedenen Menschen zu machen, indem wir alle Teilaspekte ihrer Identität wertschätzen und zum Wachsen nutzen. Vielfalt ist Chance und Herausforderung zugleich. Der Umgang damit ist entscheidend. Schubladen im Kopf einzelner werden zu gesellschaftlichen Mauern, die uns langfristig allen schaden werden.

Engin Çatık - Schulleiter der Friedrich-Bergius-Schule

Engin Çatık – Schulleiter der Friedrich-Bergius-Schule

Broschüre "Mythos Neutralität"

Was wir gerade spannend finden

Die Broschüre „Mythos Neutralität zeigt eindrücklich, warum die Idee politischer Neutralität in Schule oft zu kurz greift und weshalb Haltung im pädagogischen Alltag unverzichtbar ist.

Wir greifen sie immer wieder in Gesprächen mit Pädagog*innen auf, weil sie klar macht:

Gerade dort, wo es um Demokratie, Diskriminierung und Ungleichheit geht, braucht es nicht Zurückhaltung, sondern Orientierung und Einordnung. Besonders relevant ist sie für Lehrkräfte, Schulleitungen und alle, die Schule aktiv mitgestalten.

Demokratiebildung bedeutet nicht, neutral zu bleiben, sondern Verantwortung zu übernehmen.