duvia UPDATE.

Zwischen all den Prozessen und Projekten, die wir mit duvia begleiten, den Workshops, die wir geben und den Gesprächen und Begegnungen mit Menschen aus dem Bildungssystem passiert unglaublich viel und doch bleibt vieles davon unsichtbar.

Nicht weil es nicht wichtig wäre, sondern weil genau für das Innehalten und Erzählen oft die Zeit fehlt, da wir meistens schon im nächsten Workshop stehen oder im nächsten Prozess weiterdenken. Gleichzeitig passiert genau dort aber das Entscheidende, wenn in einem Workshop jemand sagt „so habe ich das noch nie gesehen“ oder wenn ein gemeinsamer nächster Schritt entsteht.

Vielleicht kennst du dieses Gefühl auch, dass viel in Bewegung ist, sich Dinge verändern und trotzdem kaum etwas davon nach außen sichtbar wird. Wir merken an dieser Stelle, wenn wir uns nicht bewusst Zeit dafür nehmen, bleibt genau das unsichtbar, was wir bewirken.

Unser duvia UPDATE ist ein Versuch, das zu verändern und dich mitzunehmen in das, was uns bewegt, beschäftigt und antreibt, weil wir nicht wollen, dass unsere Arbeit unsichtbar bleibt.

duvia in Zahlen

Zahlen sagen nicht alles, aber sie geben einen Eindruck davon, wie viel in den letzten Wochen und Monaten in Bewegung war. Unsere Zahlen aus dem zweiten Quartal 2026:

  • 19 Teamer*innen beenden zum Ende des Schuljahres ihre Qualifizierung zur*m Teamer*in der Demokratiebildung
  • 175 Bewerbungen für die Teamer*innnen-Qualifizierung 2026/27
  • Allein in den letzten 3 vollen Schuljahreswochen: 56 demokratiebildende Workshops mit Schüler*innen an Berliner Schule
  • mehr als 500 begleitete Kinder und Jugendliche (davon über 180 wöchentlich)

Blick hinter die Kulissen

„Mein Wochenende war mega. Ich lag im Gras, habe in den Himmel geschaut und Red Bull getrunken.“

Mit diesem Satz begann ein Schüler den Check-in in einem unserer demokratiebildenden Kurse. Solche Momente zeigen uns immer wieder, warum wir dem Ankommen und Zuhören bewusst Zeit geben.

Auf den ersten Blick hat diese Aussage wenig mit Demokratiebildung zu tun. Für uns steckt jedoch viel darin: Freiheit, Selbstbestimmung, das Bedürfnis nach Rückzugsorten – und die Frage, was junge Menschen gerade bewegt.

Genau dort knüpfen wir an. Denn oft entstehen die wichtigsten Gespräche nicht aus vorbereiteten Materialien, sondern aus den kleinen Geschichten, die Kinder und Jugendliche aus ihrem Alltag mitbringen.

Was darüber hinaus noch in Bewegung war:

  • Coaching mit ROOTS: Gemeinsam mit ROOTS haben wir ein sechsteiliges Coaching für 12 Trainer*innen umgesetzt, die künftig mit Jugendlichen arbeiten. Nach einem Kick-off im anígo SPACE wurde das Programm online fortgeführt und bot Raum für Austausch, Reflexion und persönliche Weiterentwicklung.
  • Demokratische Schulentwicklung an der TU Berlin: Im Rahmen einer X-Student-ResearchGroup zum Thema „Schule für alle? Demokratische Schulentwicklung in der Migrationsgesellschaft“ durften wir Studierende der TU Berlin begleiten. Neben einem Besuch im anígo SPACE erhielten sie Einblicke in unsere wöchentlichen demokratiebildenden Kurse an einer Berliner Kooperationsschule.
  • #JedesKind geht an den Start: Als Teil der Initiative #JedesKind freuen wir uns über den offiziellen Start des Bündnisses. Mit Unterstützung der Bertelsmann Stiftung setzen wir uns gemeinsam mit Mentoring-Organisationen, Unternehmen und weiteren Partnern dafür ein, wirksames Mentoring in Berlin nachhaltig zu stärken und mehr Kindern verlässliche Bezugspersonen zu ermöglichen. Wir freuen uns sehr, Teil dieser gemeinsamen Bewegung für mehr Chancengerechtigkeit zu sein.
  • Erfolgreiche Schulentwicklung geht in die nächste Runde: Mit Unterstützung der Robert Bosch Stiftung begleiten wir den Transfer der Verantwortungsgemeinschaft (SER) von Friedrichshain-Kreuzberg nach Neukölln. Ziel ist es, bewährte Ansätze weiterzuentwickeln und ein Bildungssystem zu stärken, in dem Schulen, Verwaltung und schulische Unterstützungssysteme voneinander lernen und gemeinsam Verantwortung für die Weiterentwicklung von Bildung übernehmen.
  • Strategietagung zu KI & Schule: Gemeinsam mit der Verantwortungsgemeinschaft (SER) haben wir eine bezirksweite Strategietagung zu KI und Schule begleitet. Ein besonderes Anliegen war es, die Perspektiven von Schüler*innen einzubeziehen – durch einen Podcast und einen Talk auf der Tagung. Denn gute Schulentwicklung beginnt damit, die Stimmen der jungen Menschen ernst zu nehmen.
  • Pädagogisches Begleitprojekt “Klassenklima stärken”:  Mit duvia setzen wir regelmäßig bedarfsorientierte Projekte an Schulen um. Ein Beispiel dafür ist das Begleitprojekt, das von Mai bis Juli 2026 an der Hedwig-Dohm-Oberschule durchgeführt wurde. Nach einem ganztägigen Auftaktworkshop folgten wöchentliche Unterrichtsbesuche, Einzelgespräche sowie bedarfsorientierte Austauschtermine mit den Klassenleitungen.

duvia in Bildern

Eine kleine Auswahl an Impressionen aus dem Projekten und Veranstaltungen im 2. Quartal 2026.

duvia in Bildern

Eine kleine Auswahl an Impressionen aus dem Projekten und Veranstaltungen im 1. Quartal 2026.

duvia Vorstand

© privat

Was uns bewegt hat

Zum ersten Mal waren wir in diesem Jahr beim Deutschen Stiftungstag – und wir haben uns vorher ehrlich gefragt: Lohnt sich das für eine kleine NGO überhaupt?

Unsere Antwort nach zwei Tagen lautet: Ja.

Unter dem diesjährigen Motto „Aus Freiheit handeln“ haben wir erlebt, wie wertvoll Begegnungsräume sein können. Nicht nur wegen der spannenden Panels, sondern vor allem wegen der Gespräche dazwischen. Sie haben uns die Möglichkeit gegeben, unsere Perspektive auf Demokratie und Freiheit einzubringen, neue Kontakte zu knüpfen und gemeinsame Gestaltungsräume zu entdecken.

Unsere wichtigste Erkenntnis: Gesellschaftlicher Wandel entsteht dort, wo unterschiedliche Perspektiven zusammenkommen. Dafür braucht es Räume und Menschen, die bereit sind, sie zu öffnen.

3 Fragen an Fabie und Jascha

1) Wie würdet ihr die zwei Jahre, die ihr mit eurer Klasse Demokratiebildung gemacht habt, in wenigen Sätzen beschreiben?

Es waren zwei sehr intensive, aber vor allem bereichernde Jahre. Vom ersten Kennenlernen mit spielerischen Aktivitäten wie „Zwei Lügen, eine Wahrheit“ bis hin zu gemeinsamen Diskussionen über gesellschaftlich relevante Themen wie Rassismus, Diskriminierung, Rechtsstaatlichkeit oder Medienfreiheit haben wir gemeinsam eine große Entwicklung erlebt.

Dabei ging es uns nie nur um Wissensvermittlung. Mit vielen interaktiven Methoden und Spielen wollten wir die Schülerinnen dazu ermutigen, zusammenzuarbeiten, kritisch nachzudenken, einander zuzuhören, zu debattieren und sich eine eigene Meinung zu bilden. Besonders wertvoll war dabei die große Flexibilität, die wir in der Gestaltung des Unterrichts hatten. Statt klassischen Frontalunterricht zu machen, konnten wir die Schülerinnen aktiv einbeziehen – zum Beispiel bei der Auswahl von Themen oder der Gestaltung einzelner Einheiten.

Am Ende blicken wir auf zwei sehr wertvolle Jahre mit vielen schönen und auch bewegenden Momenten zurück. Wir haben das Gefühl, den Schüler*innen etwas Wichtiges mitgegeben zu haben. Gerade weil es keinen Notendruck gab und wir viel mit spielerischen Methoden gearbeitet haben, wurde der Unterricht von vielen Schülerinnen mit Freude angenommen.

2) Welche Veränderungen habt ihr über die zwei Jahre bei den Schüler*innen wahrnehmen können?

Die Schüler*innen sind selbstbewusster geworden und haben gelernt, ihre Meinungen klarer zu vertreten und kritisch zu hinterfragen – was natürlich auch ein Stück weit zur Entwicklung im Teenageralter dazugehört.

Außerdem hat sich über die Zeit ein großes gegenseitiges Vertrauen aufgebaut. Dadurch wurden die Gespräche offener und ehrlicher, und die Schüler*innen haben sich zunehmend getraut, ihre eigenen Perspektiven einzubringen und auch uns kritisch zu hinterfragen.

3) Was habt ihr von den Schüler*innen und aus eurer Zeit in der Praxis bei duvia gelernt?

Unsere Zeit an der Schule hat uns gezeigt, wie wichtig Mitgestaltung und eine positive Lernatmosphäre sind. Das Feedback der Schüler*innen war sehr eindeutig: Für viele war dies der einzige Unterricht, in dem sie keinen Leistungsdruck verspürt haben und auf den sie sich sogar gefreut haben.

Wir haben gelernt, wie wertvoll es ist, Schüler*innen aktiv in den Unterricht einzubeziehen und ihnen auf Augenhöhe zu begegnen, ohne dabei die eigene Rolle als Lehrkraft aus den Augen zu verlieren. Genau diese Balance zwischen flacher Hierarchie und notwendiger Autorität zu finden, war nicht immer einfach, aber eine der wichtigsten Erfahrungen für uns.

Insgesamt hat uns die Praxis gezeigt, dass viele Schüler*innen sich mehr Beteiligung, Vertrauen und Raum für eigene Gedanken wünschen . Und wie viel Motivation entstehen kann, wenn Unterricht genau das ermöglicht.

Jascha und FAbie

Jasch (links) und Fabie (rechts): Haben 2025 ihre Qualifizierung zur*m Teamer*in der Demokratiebildung abgeschlossen und eine 7. Klasse an unserer Qualifizierungsschule wöchentlich begleitet. Und in diesem Schuljahr haben sie die Klasse im “duvia-Kurs” weiter betreut, sodass sie insgesamt 2 Jahre wöchentliche Demokratiebildungsangebote mit einer Schulklasse umsetzen konnten.

© privat

privat (duvia)

©privat

Was wir gerade spannend finden

Leseempfehlung: „Das können wir uns nicht leisten“ von Miriam Davoudvandi

Was bedeutet es, in Deutschland arm aufzuwachsen? In ihrem neuen Buch verbindet Miriam Davoudvandi persönliche Erfahrungen mit einer eindrucksvollen gesellschaftlichen Analyse. Sie schreibt über Scham, fehlende Teilhabe und die oft unsichtbaren Folgen von Armut – und zeigt, wie sehr Herkunft und Lebensrealität Bildungs- und Zukunftschancen prägen.

Für uns ist das Buch eine wichtige Erinnerung daran, dass Bildungsgerechtigkeit nicht erst in der Schule beginnt. Wer Bildung gerechter gestalten will, muss verstehen, unter welchen Bedingungen Kinder und Jugendliche aufwachsen. Eine klare Leseempfehlung für alle, die sich mit Chancengerechtigkeit, Demokratie und gesellschaftlicher Teilhabe beschäftigen.

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